Auf dem Weg stetig achtsamer und bewusster zu sein
Dieses Forum kann dabei behilfich sein, dass wir uns darin üben. Wenn wir vom Trennenden ab- und uns den Geimeinsamkeiten zuwenden, erleben wir andere Erlebnisse. Ich wünsche mir, dass wir uns hier in Augenhöhe begegnen und frei von Tabus mit den aufkommenden Themen befassen. Auf, dass wir uns auch hier zur Erkenntnis motivieren, dass die Änderung der eigenen Gedanken, Meinungen, Bewertungen und Handlungen nachhaltigere Zufriedenheit generiert, als der Versuch der Änderung der Gedanken, Meinungen, Bewertungen und Handlungen Anderer. Vielleicht erkennen auch hier mehr Menschen, dass nicht Worte beleidigen, sondern, dass sich jeder - durch die eigene Interpretation der Worte eines anderen - selbst beleidigt. Ich wünsche mir, dass wir auch hier bewusster, geduldiger, ursächlicher, uns selbst und auch anderen Antworten geben/anbieten, wie auch selbständiger mit unserem Denken, Fühlen und Handeln und dem Denken, Fühlen und Handeln Anderer umgehen.
hier noch einmal ein extra Thread für dieses für mich wichtige Thema:
Hier habe ich auch endlich das Referat von Dagmar Paternoga, die anlässlich des Symposiums folgendes mitteilte: Beitrag zum europäischen Symposium zum Grundeinkommen am 16.5.2009 in Herzogenrath von Dagmar Paternoga, NWR-Mitglied, attac-Mitglied Einleitung Immer noch wird vielen Menschen das Menschenrecht auf soziale Sicherheit vorenthalten. Die Entwicklung in den letzten Jahren zeigt deutlich, dass zur Erreichung der Millenniumsziele bis 2015 zusätzliche Anstrengungen nötig sind. Besorgniserregend ist, dass die Armut in Afrika weiter zunimmt und die extrem Armen dort seit 1990 noch ärmer geworden sind. Weltweit hat der Hunger sogar zugenommen. Die zahl der Hungernden liegt jetzt bei einer Milliarde Menschen.
Dabei ist Hunger und Armut kein gottgewolltes Schicksal, sondern das Ergebnis einer politischen und wirtschaftlichen Strategie der führenden Industrienationen. Die Menschheit wäre heute in der Lage, problemlos 12 Milliarden Menschen zu ernähren.
Dabei wäre für die Freiheit von Hunger ein US-Dollar pro Person ausreichend. Die Weltbank definiert ein Mindestnahrungseinkommen bei einem Dollar pro Tag und Person, damit könnte das Recht auf Nahrung gesichert werden. Wenn alle Staaten ein Mindestnahrungseinkommen garantieren würden, bedingungslos an jede von Unterernährung bedrohte Person, wäre der Hunger aus der Welt. (Konzepte von FIAN u.a.)
In Niedrigeinkommensländern wurden in den letzten Jahren verschiedene Pilotprojekte von Sozialgeldtransfers durchgeführt. Alle diese social cash transfer projekte oder im Falle von Namibia des basic income projects ähnliche zeigten erstaunlich ähnliche Effekte und zwar sowohl bei bedingungslosen wie an Bedingungen gezahlte Geldleistungen:
· sie reduzieren Armut und Hunger, regen die Produktion lebensnotwendiger Güter und Dienstleistungen für die Armen an · fördern den Schulbesuch der Kinder · die Gleichstellung der Frauen · und die soziale Verteilungsgerechtigkeit · Sozialgeldtransfers sind von zentraler Bedeutung für Staaten bei der Erfüllung ihrer Pflichten unter inationalen und nationalem Menschenrecht, besonders bei der Garantie des Rechts auf einen angemessenen Lebensstandard. · Auch wenn Sozialgeldtransfers nur eine von mehreren Politikmaßnahmen sind und in diesem Kontext bei weitem nicht hinreichen, so sind solche Geldzahlungen doch in jedem System sozialer Sicherheit ein obligatorisches Element · ersetzt nicht den Zugang zu Ressourcen und den Aufbau von öffentlicher Infrastruktur
Hier zwei Beispiele:
BIG in Omitara, Namibia
Einleitung: Die BIG (basic income grant)-Coalition startete im Januar 2008 das BIG-Pilot- Projekt in Omitara, Namibia. Hier wird 1 000 Bewohnerinnen Dorfes, 150 km von Windhoek entfernt, ein monatliches Einkommen bis zum 60. Lebensjahr ausbezahlt, danach erhalten alle Namibierinnen die allgemeine Mindestrente. Initiiert wurde die Aktion von einem breiten Bündnis aus Kirchen, Nicht-Regierungsorganisationen, Aids-Organisationen und Gewerkschaften. Für zwei Jahre wird aus Spendengeldern dieses BIG ausgezahlt. Man will der Regierung beweisen, dass ein solches Grundeinkommen für alle Namibier sinnvoll ist und gute Ergebnisse zeigen wird. Die Regierung wird von der BIG-Coalition seit Jahren aufgefordert, ein solches BIG landesweit einzuführen.
Fakten über Namibia: · Anstieg der Arbeitslosigkeit von 33,8 % auf 36,7 % zwischen 2000 und 2004 · 30 % aller Kinder unter 5 Jahren sind stark fehlernäht und haben ein viel zu geringes Gewicht für ihr Alter · Die HIV-Rate liegt bei 20 % · Namibia hat die höchste finanzielle Ungleichheit auf der Welt
(Ziele der Politik für ein basic income in Namibia) · Monatliches Einkommen von N$ 100 (ca. 15 Euro) bezahlt an jede namibische EinwohnerIN · Jede Namibierin erhält das BIG zum 60. Lebensjahr beim Erhalt der Mindestrente, HH ab 6 Personen erhalten N$ 600/Monat · Das Geld würde durch gestaffelte Steuern, die Reiche mehr belasten als Arme und Umschichtungen im Haushalt gedeckt · Das BIG soll ein garantiertes Einkommen sein · Das BIG ist mit einem Anteil von 2,2 bis 3,8 % am BIP für Namibia finanzierbar
(Zusammensetzung der BIG-Coalition) · CCN – Kirchen in Namibia · NUNW – Gewerkschaften · NANGOF – NGO’s · NANASO – Aidsinitiativen · LAC – Rechtshilfevereine für Aidskranke · LaRRI – Forschung über Aids und Armut
Planung des BIG-Pilot-Projekt in Omitara · Zwei Jahresperiode, Beginn: Januar 2008 · Ort: Otjivero Omitara (100 km östlich von Windhoek) · 930 Teilnehmerinnen von 0 bis 59 Jahre · begleitende Studien über das Projekt; beginnend mit der Vorstudie November 2007 werden alle sechs Monate Evaluierungsberichte vorgelegt · begleitende Interviews mit allen Betroffenen · Fallstudien der einzelnen Haushalte · Veröffentlichung des ersten Berichtes am 2. Oktober 2008 in Windhoek
Erste Ergebnisse und Effekte · Tägliche Mangelernährung bei Kindern fiel von 30 auf 12 % · Wöchentliche Mangelernährung bei Kindern fiel von 40 auf 2 % · Ernährungssicherheit stieg von 20 auf 60 %! · Untergewicht der Kinder stieg von 42 % nach sechs Monaten auf 17 % · Seit Januar 2008 gab es keinen einzigen Fall mehr von Unterernährung: Der Beweis, , dass N$ 100 wirklich helfen, den Hunger zu beseitigen · Gesundheit: Die örtliche Klinik konnte ihre Geldeinnahmen von N$ 250 auf 1,300 N$ steigern; so konnte die kostenlose Vergabe von Medikamenten an von Aids-Kranke alle sichergestellt werden · Schule und Entwicklung der Kinder: Vor Einführung des BIG wurde die Schule kaum besucht von den Armen · Nach Zahlung des BIG verdoppelte sich die Zahl der Schulgängerinnen · Die Mitwirkung am Unterricht und die Schulergebnisse verbesserten sich · Kriminalität: seit Einführung des BIG fiel die Kriminalitätsrate von 43 auf 28 % · Arbeitslosigkeit fiel von 60 auf 45 % · Die Zahl der Menschen, die aktiv nach Arbeit suchten ist gestiegen · Einkommen: Das durchschnittliche Einkommen stieg von N$ 200 auf N$ 389 · Das Einkommen durch Lohnarbeit stieg um 27 % · Einkommen durch Selbständigkeit stieg um 300 % · Die lokalen Märkte wurden durch das BIG gestärkt und erweitert · Es wurden mehr Kleidung, Nahrung und Haushaltsgegenstände verkauft · 100 Dorfbewohner eröffneten ein Sparkonto für ihre Kinder. Die Rentner, die vorher ihre Pension für die ganze Familie ausgegeben haben, sind nun in der Lage zu sparen · Im Nov. 2007 hatten lediglich 29 % der Haushalte Kleintiere, im Juli 2008 hatten 41 % der HH Kleintiere; die Geflügelzucht stieg sogar auf 53 %
Social cash transfer Projekt in Kalomo/Sambia
Einleitung: In der extrem armen und von Hunger betroffenen Südprovinz Sambias wurden von 2004 bis Ende 2007 an “bedürftige” Haushalte 7 Dollar monatlich (2 Dollar für Familien mit Kindern) direkt und ohne Bedingungen (unconditional social cash transfer) ausgezahlt. Durchgeführt wurde das Projekt durch die staatliche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) in Kooperation mit dem Sozialministerium Sambias. Bei der überwiegenden Mehrzahl der Empfängerhaushalte handelte sich um alte Frauen, die für Aids-Waisen zu sorgen haben. Der monatliche Betrag reicht aus, um einen Sack Maismehl, Hauptnahrungsmittel in Sambia, zu kaufen und damit die Sicherstellung einer zweiten Mahlzeit zu gewährleisten. Trotz guter Ergebnisse stieg die GTZ Ende 2007 aus dem Projekt aus, ohne sicherzustellen, dass es sorgfältig weitergeführt wird. Weder die sambische Regierung noch die britische NGO, die das angeblich „übernehmen“ sollte, zahlten die monatlichen Geldbeträge regelmäßig aus.
Hintergrund · Annähernd 87 % der Sambier überleben bei weniger als 2 US-$ pro Tag · 20 % der sambischen Kinder haben beide Elternteile durch Aids verloren · 75 000 Kinder sind obdachlos · 45 % der sambischen Bevölkerung haben keinerlei Wasserversorgung · Einwohnerzahl in Kalomo: 65 000 in ca. 200 Dörfern · 29 % der Einwohnerinnen benötigen mehr als 30 Minuten Weg bis zur nächsten Wasserquelle · 78 % benötigen mehr als 30 Minuten zur nächsten kleinen Gesundheitsstation
Ziele des Cash transfer Projektes · soziale Sicherung für die Ärmsten · Verbesserung der Versorgung der Aidskranken und abmildern der Armut von Kindern und Familien in Kalomo · Ernährungssicherheit für die Empfängerhaushalte in Kalomo
Ergebnisse und Effekte des Projektes · Reduktion der extremen Armut und Hunger in 10 % der Haushalte · Schulbesuch der Kinder konnte um 80 % gesteigert werden · Die Haushalte nutzten das Geld zum Aufbau von z. B. Kleintierzucht · Fehlernährung ging zurück, die Lebensumstände verbesserten sich · Die Hochaltrigen konnten Hilfeleistungen anderer Menschen bezahlen · Für die Kinder konnte Material für den Schulbesuch gekauft werden · Die Sicherstellung der Medikamente für die Aidskranken konnte erreicht werden (Die Gesundheitszentren für die Versorgung Aidskranker mit Medikamenten sind für die Menschen in Kalomo 200 km weitentfernt)
Die Zielgruppe des social cash transfer Projektes der GTZ in Kalomo · Haushalte, die von extremer Armut betroffen sind und Schwierigkeiten zum Überleben haben · Der Haushaltsvorstand ist nicht in der Lage aufgrund chronischer Erkrankung (Aids) oder hohem Alter durch Arbeit die Ernährung der Familie sicherzustellen · Die betroffenen Menschen sind häufig in einer hoffnungslosen Situation und können nur mit Hilfe des Herrgotts überleben
Herausforderungen Noch ist die Idee eines social cash transfers nicht Teil der Regierungspolitik zur sozialen Sicherung und Hungerbekämpung.
· Nach dem Rückzug der GTZ wurde das Geld entweder gar nicht oder nur sporadisch ausgezahlt und war schlecht organisiert: · Der Schulbesuch der Kinder ging zurück (sie mussten wieder betteln oder durch Arbeit etwas verdienen, Anm. D.P.) · Viele Aidskranke konnten ihre Medikamente nicht mehr abholen, einige starben inzwischen (In Sambia sind die Aids-Medikamente kostenlos, jedoch müssen die Aidskranken den Transport zu der oft 200 km weiten nächsten Gesundheitsstation, wo die Medikamente verteilt werden, selbst bezahlen, Anm. D.P.) · Bis jetzt ist die sambische Regierung nicht bemüht, das Projekt weiterzuführen.
Forderungen für die Zukunft · Soziale Sicherheit sollte landesweit und für alle Menschen in Sambia eingeführt werden · Mobilisierung und Bewusstmachung bei den und mit den traditionellen Führern in Sambia · Neben social cash transfer fordern wir den weiteren Zugang zu Ressourcen und Förderung von Programmen für kleine Geschäfte und Bauerngenossenschaften · Stärkung des Lebensunterhalts aller Sambierinnen · Stärkung der Kommunen zum Aufbau einer öffentlichen Daseinsvorsorge Weitere Infors über BIG in Namibia:http://www.bignam.org zu social cash transfers bei google social cash transfer eingeben
Danke, Dagmar!
Liebe Grüße Axel
Weise ist der, der weiß, dass jeder Mensch Momente hat, in denen er seine Weisheit zum Ausdruck bringt. Auch der, der gerade verurteilt wird.
Wenn du dem nachfolgenden Link folgst, findest du einen umfassenden und in englischer Sprache gehaltenen Bericht zum Bedingungslosen Grundeinkommen in Namibia:
P.S.: Ich find die Idee, ein BGE einzuführen toll. Doch erachte ich es als bedenklich, wenn dies befristet gemacht und sich nicht für eine über die Frist hinausgehende Finanzierung eingesetzt wird.
Damit tritt die ev. Kirche nicht zum ersten Mal als menschenverachtend auf.
Was sie in Deutschland, in Bielefeld und Gütersloh abzieht, widerspricht absolut den christlichen Grundsätzen und entspricht dem typischen geldgierigen Gedanken gut und Handlungen von geldgeilen und minder verantwortungsbewussten Menschen, denke ich.
Weise ist der, der weiß, dass jeder Mensch Momente hat, in denen er seine Weisheit zum Ausdruck bringt. Auch der, der gerade verurteilt wird.
Die Ergebnisse des ersten Grundeinkommens-Pilotprojektes.
Herbert Jauch, Sprecher der Basic Income Grant Coalition Namibia, reist durch Deutschland, Österreich, Schweiz und Liechtenstein.
Das zweijährige und mittlerweile unbefristete Pilotprojekt Grundeinkommen besteht in der Auszahlung von rund 10 Euro (100 Namibia Dollar) monatlich an alle BewohnerInnen des 1000 EinwohnerInnen Dorfes Otjivero. Die Finanzierung erfolgte durch zivilgesellschaftliche Organisationen Namibias, durch die evangelische Kirche in Deutschland und weitere UnterstützerInnen. Es wurden alle wesentlichen Ziele erreicht: Bekämpfung der extremen Armut, Förderung von wirtschaftlicher Initiative, ein besserer Ernährungstatus der Kinder, geringere Kriminalität, reduzierte Arbeitslosigkeit und verbesserte Gesundheit.
Damit stellt sich die Frage, inwiefern die Erfahrungen in Namibia zu einer neuen Ausrichtung entwicklungspolitischer Konzepte beitragen können. Darüber hinaus lässt sich diskutieren, ob bedingungslose Zahlungen auch eine Perspektive für den Kampf gegen Armut und Prekarisierung in den Ländern des Nordens darstellen.
Herbert Jauch steht auch für Medienanfragen zur Verfügung.
Die Rundreise wird organisiert in Kooperation mit dem Verein Südwind Entwicklungspolitik in Wien, attac Österreich, attac Deutschland, Weltumspannend arbeiten - ÖGB, den Grundeinkommens-Netzwerken Österreich, Deutschland und Schweiz, sowie mit SADOCC (Dokumentations- und Kooperationszentrum Südliches Afrika in Wien).
Danke, Wolf!!!!
Liebe Grüße
"Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du."